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Die Wikinger am Tissø DE

Königshof und Kultstätte – die Wikinger am Tissø 

Willkommen zur Ausstellung über die Religion der Wikingerzeit am Tissø. Sie schildert Rituale, Sitten und Lebensweise, die mit dem Glauben an die nordischen Götter verbunden waren.

Für Menschen der Wikingerzeit waren die Götter stets gegenwärtig – im Alltag und bei Festen. Der Götterkult war notwendig, um das Gemeinwesen im Gleichgewicht zu halten. Opfer an die Götter sollten Fruchtbarkeit, Kriegsglück und Wohlstand sichern.

Die Rituale waren vielfältig. Am Tissø wurden Häuser für den Kult und Opferplätze unter freiem Himmel gefunden. Es gab Opferfeste in der Königshalle und Opferungen von Waffen, Schmuck und Werkzeug im Tissø und in der Halleby Å. Hier waren Opferbrunnen angefüllt mit Tierknochen und sogar Menschenopfern.

Die archäologischen Spuren weisen Kulthandlungen nach, die sich am Tissø vor über 1.000 Jahren abgespielt haben. Die Funde sind ein wichtiger Schlüssel für das Verständnis der Religion der Wikingerzeit. Sie eröffnen neue Perspektiven auf das bereits vorhandene Wissen.

Es gibt nach wie vor viele ungelöste Rätsel über Religion und Lebensweise der Wikingerzeit. Die Ausstellung am Formidlingscenter Fugledegård beruht daher auf einer wissenschaftlichen Interpretation der Erkenntnisse aus Ausgrabungen, schriftlichen Quellen und den Ortsnamen der Gegend.

Ein König am Tissø

500 Jahre lang – 550 – 1050 n. Chr. – lebten am Westufer des Tissø Männer und Frauen, die der absoluten Oberklasse der Gesellschaft angehörten. Zu Beginn des Zeitraums gab es noch nicht nur einen König von ganz Dänemark, sondern mehrere kleine Könige, die jeweils über ihr Gebiet herrschten.

Die Großen hatten verschiedene Titel wie Häuptling, Jarl oder „Gode“. Der höchste Titel war „Konungr“ – König. Diesen Titel beanspruchte wahrscheinlich das Geschlecht, das am Tissø lebte.

Der Tissø-König übte seine Macht über ein größeres Gebiet auf Westseeland aus. In der Umgebung – z. B. bei Bakkendrup, Tystrup und Sæby – lebten seine treuen, ihm ergebenen Großen. Am Königssitz am Tissø wurden keine Lebensmittel produziert, sondern von den umliegenden Höfen hierher gebracht. Der König zog oft durch sein Land, um es unter Kontrolle zu halten, Streitigkeiten zu schlichten, Abgaben einzufordern und Kulthandlungen auszuführen.

Tissø und Tyr

Der Name Tissø ist entweder auf den Namen des Gottes Tyr oder ein entsprechendes Wort – tī zurückführen, das einfach Gott bedeutet. Tyr ist ein alter germanischer Gott. Sein älterer Name Tiwaz ist mit dem Namen des griechischen Gottes Zeus, des indischen Dyaus und des römischen Jupiter verwandt.

Tyr war der Kriegsgott in der nordischen Mythologie und bekannt für seine Gerechtigkeit und Tapferkeit.Viele Ortsnamen in Dänemark zeugen davon, dass Tyr verehrt wurde: neben Tissø z. B. Tisvilde, Thisted und Tirslund.

Das Pferd am Tissø

Das Pferd spielte eine besondere Rolle in der Tissø-Siedlung. Pferdeknochen machen einen größeren Anteil der Tierknochen als in anderen Wikingersiedlungen aus. Die Pferde ähnelten heutigen Islandponys – waren jedoch schlanker. Einzelne Knochen stammen von kräftigeren Streitrossen.

Große Mengen Zaumzeug wie Gebisse, Sporen und Beschläge zeigen, dass die Pferde als Reittiere dienten. Die Reiterei war ein wichtiger Teil der Streitmacht der Wikingerzeit. Gute Pferde waren teuer und nicht allen vergönnt.

Am Tissø wurden auch zahlreiche Schmuckstücke und Amulette mit Pferdebildern gefunden: Gold- und Bronzestückchen mit eingeritzten und ausgeschnittenen Pferden. Ein beliebtes Motiv ist eine bewaffnete Frau zu Pferde, die von einer weiteren waffentragenden Frau empfangen wird. Dabei kann es sich um Walküren handeln, Kriegerinnen aus der nordischen Mythologie. In den Mythen treten zahlreiche besondere Pferde auf. Am bekanntesten ist Odins achtbeiniges Pferd Sleipnir.

DIE AUSGRABUNGSGESCHICHTE – WIE ALLES BEGANN

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts tauchten Waffen und Schmuckstücke aus dem ehemaligen Seeboden auf. 1977 kam bei Feldarbeit ein fast 2 kg schwerer Goldring – der Tissø-Ring – ans Tageslicht. Nur 2 Jahre später wurden zwei Gräber am Übergang über die Halleby Å ausgegraben.

Im Bewusstsein, dass das Gebiet gut gehütete Geheimnisse barg, begann setzte das Nationalmuseum mit dem Einsatz von Metalldetektoren. Anfang der 1990er Jahre suchten René K. Larsen, Flemming Nielsen und Ib R. Larsen (Reersø) das Seeufer systematisch mit Metalldetektoren ab. Die drei eifrigen Amateurarchäologen lieferten Hunderte von Metallgegenständen über das Museum Vestsjælland (damals Kalundborg og Omegns Museum) an das Nationalmuseum. Die vielen überraschenden Funde gaben Anlass zu einer großflächigen Ausgrabung.

Von 1995 bis 2003 führten das Nationalmuseum und das Museum Vestsjælland umfassende Ausgrabungen bei Bulbrogård, Fugledegård und Kalmergården durch. 2011 und 2012 wurden die Ausgrabungen zum Teil wieder aufgenommen. Die gesamte Grabungsfläche beträgt nun ca. 100.000 m². Dabei kam einer der reichsten Plätze vom Ende der Eisenzeit und aus der Wikingerzeit zum Vorschein. Hinzu kamen Funde aus vielen anderen vorgeschichtlichen Perioden.